Die Geschichte unseres Museums

Erinnerung an die 40-jährige Bundeswehrzeit wach halten

Erschienen in: Neue Presse vom 15.07.2006 (VON KLAUS YERSIN)

 

EYRICHSHOF – Ein Jahr ist es nun her, dass das „Garnisonsmuseum“ eröffnet wurde. Anlass für eine erste Bilanz. Donnerstagnachmittag. Joachim Aschmoneit, Vorsitzender der Kameradschaft Panzeraufklärungsbataillon 12 e. V., und Vorstandsmitglied Harry Bohl laufen die Schweißperlen über das Gesicht. Heiß ist es in den Museumsräumen in der ehemaligen Schule von Eyrichshof.
Die „Museumswärter“ sind wieder einmal – wie so oft während eines Monats – bei der Arbeit, säubern, putzen die Ausstellungsschränke und hängen immer wieder Erinnerungen an ihre gemeinsame Zeit im Bataillon nach.
Rückblick. Im August 2004 räumte der letzte Kommandeur des Panzeraufklärungsbataillons 12, Oberstleutnant Stefan Klos, sein Dienstzimmer in der Balthasar-Neumann-Kaserne. Zum 1. September 2004 endete damit die 40-jährige Geschichte der Bundeswehr in der Stadt Ebern. Von der Bundeswehr selbst spricht heute kaum jemand mehr, der „Rota-Park“ ist in den Mittelpunkt des Interesses und der Diskussionen gerückt. Dass die Bundeswehrgeschichte in der Stadt und der Region nach Schließung der Kaserne bald in Vergessenheit geraten würde, dass war den ehemaligen Bataillonsangehörigen sehr frühzeitig klar geworden. Dabei war es doch gerade die Bundeswehrgarnison, die über vier Jahrzehnte hinweg das Leben der Stadt auf allen Ebenen nachhaltig prägte. Aus und vorbei! „Das darf nicht sein, wir wollen der Bevölkerung zeigen, dass wir noch da sind“, sagen Joachim Aschmoneit und Harry Bohl und blicken in die Runde des „Garnisonsmuseums“. Ein Name, den es offiziell eigentlich noch nicht gibt, den Aschmoneit bei seiner Ansprache zur Eröffnung vor einem Jahr prägte. Und zu dem 1. Bürgermeister Robert Herrmann auch seine Bereitschaft zeigte. Allerdings, der offizielle Antrag an die Stadt zur Namensgebung ist noch nicht gestellt. „Das wird in den nächsten Wochen gemacht“, versichert Aschmoneit.
Was hat sich nun im ersten Museumsjahr ereignet? Beide schauen sich an und nennen ein besonders „prägendes“ Ereignis: Der Wasserschaden im Winter, weil das Dach neu gemacht wurde. Die Schäden wurden zwar von der Versicherung gedeckt, die Arbeit blieb aber an den Kameraden hängen. Aber auch das ist geschafft, man sieht nichts mehr, einfach vorbei.
Auf Besucherscharen können sie auch nicht verweisen. Mehr einzelne Interessenten sind es, die den Weg nach Eyrichshof finden. Unter ihnen die SPDStadtratsfraktion, die ihr Interesse bekundete und sich führen ließ. Schulklassen? Bisher Fehlanzeige. „Vielleicht sollten wir doch mal die Schulleiter ansprechen“, überlegt Joachim Aschmoneit, „40 Jahre Garnisonszeit auf relativ kleinem Raum, das müsste doch eigentlich die Abschlussklassen interessieren, das wäre Heimatkunde hautnah.“
Der Museumsbestand wächst auch weiter. „Mehr kleinere Dinge, aber sehr interessant“, sagt Harry Bohl. Zwei Paradeuniformen aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, die einst hessische Dragoner getragen haben beispielsweise, oder auch die Abzeichen, die die „Aufklärer“ bei ihren Aufenthalten auf dem Truppenübungsplatz Shilo in Kanada bekamen. Gerne hätten sie sie an ihren Baretts getragen, aber das wollte der damalige Kommandeur Oberstleutnant Ekke Demandt nicht. Jetzt sind sie angesteckt – halt im Museum. Ein Weiteres ist den Idealisten gelungen: Sie sicherten sich den Schriftzug „Balthasar-NeumannKaserne“, der am Haupttor der Kaserne angebracht war.
„Man kann doch 40 Jahre Garnison in Ebern nicht einfach auslöschen, vor allem die nicht, die lange Zeit hier gedient haben. Wir haben schon großes Interesse daran, dass das nicht ganz verschwindet“, begründet Harry Bohl seine Motivation und die seines Kameraden Joachim Aschmoneit. Etwa 170 Mitglieder hat die Kameradschaft, verstreut auf das ganze Bundesgebiet. Viele von ihnen sind noch im aktiven Dienst. Aschmoneit und Bohl sehen durchaus die Gefahr, dass eines Tages ihre Generation ausstirbt und sich dann keiner mehr um das „Garnisonsmuseum“ kümmert. „Dann muss sich die Stadt darüber Gedanken machen, das ist in der Satzung so festgelegt“, erklären sie. Übrigens, die Zusammenarbeit mit der Stadt Ebern ist ganz hervorragend, versichern beide. Bei 1. Bürgermeister Robert Herrmann finden sie immer Verständnis und auch die Leute vom Stadtbauhof helfen, wo es nur geht. Finanzierbar ist auch die „Anerkennungsmiete“ von 30 Euro im Jahr.
Aber soweit soll es noch lange nicht kommen. Sie wollen jetzt kräftig die Werbetrommel für das Museum rühren. Dazu gehört auch ein Internetauftritt, an dem die Mitglieder Peter Hofmann aus Haßfurt und Peter Gottwald aus Schweinfurt derzeit arbeiten.
Ob Privatpersonen, Vereine, Schulen oder wer auch immer Interesse an einem Museumsbesuch hat, kann sich mit Joachim Aschmoneit (Telefon 09531/8302) oder mit Harry Bohl (Telefon 09531/8327) jederzeit in Verbindung setzen.
40 Jahre lang war der Schriftzug „Balthasar-Neumann-Kaserne“ am Haupttor an der Kaserne zu lesen. Als er abmontiert wurde, sicherten ihn Joachim Aschmoneit (links) und Harry Bohl für das „Garnisonsmuseum“. Zu den Neuerwerbungen gehören auch zwei Paradeuniformen aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, die einst von hessischen Dragonern getragen wurden.
Traditionsräume der ehemaligen Eberner Bundeswehrbataillone in alter Schule. Garnison darf nicht in Vergessenheit geraten VON KLAUS YERSIN EYRICHSHOF – Ab Samstag, 16. Juli 2005, ist die Stadt Ebern um ein Museum reicher. Um 14.00 Uhr werden in der ehemaligen Schule in Eyrichshof die Traditionsräume der beiden ehemaligen Bundeswehrbataillone im Rahmen eines Festes ihrer Bestimmung übergeben.
Ein Beitrag, den die Kameradschaft Panzeraufklärungsbataillon 12 e. V. und der Kameraden- und Freundeskreis der ehemaligen Eberner Panzergrenadiere 101/103 e. V. zum 775-jährigen Jubiläum der Stadt Ebern leisten. Allerdings hätte man auf ihn auch verzichten können. Wichtiger wäre es gewesen, wenn der Bundeswehrstandort Ebern erhalten und damit die Räume in der Balthasar-Neumann-Kaserne geblieben wären. Das sollte aber nicht sein, die politische Entscheidung sah so aus, dass die über 40-jährige Bundeswehrgeschichte in der Stadt im September 2004 endete.
1962 marschierten die ersten Truppenteile des Panzergrenadierbataillons 103 in Ebern unter dem Jubel der Bevölkerung ein. Der damalige Bürgermeister Merkl hatte es erreicht, dass Ebern zur Garnisonsstadt wurde. 1971 folgten dann die ersten Teile des ein Jahr vorher in Wildflecken aufgestellten Panzeraufklärungsbataillons 12. Es dauerte eine Zeit, bis alle Kompanien dieses Bataillons in der Balthasar-Neumann-Kaserne stationiert waren. Für Tausende von Soldaten wurden Stadt und Kaserne – zumindest zeitweise – zur Wohnstätte, für viele sogar zur Heimat.
Vier Jahrzehnte Bundeswehr in Ebern, da gab es viele Wettkämpfe – die berühmtesten der Boeselager-Wettkampf der „Aufklärer“ oder der Rommel-Wettkampf der „Grenadiere“ – , bei denen die Eberner Soldaten oftmals ganz oben auf der Siegertreppe standen. Da sammelten sich Mengen von wertvollen Erinnerungsstücken an, wie die beiden ehemaligen Stabsfeldwebel des Panzeraufklärungsbataillons 12, Joachim Aschmoneit (Vorsitzender der Kameradschaft) und Harry Bohl beim Besuch der Neuen Presse in den neuen Traditionsräumen berichteten.
Gegenstände der verschiedensten Art: Urkunden, Bilder, ein umfangreiches Bataillonsarchiv, Wappen, Gegenstände aus den Traditionsverbänden der beiden Bataillone. Das alles wurde gesammelt, um die Vergangenheit am Leben zu erhalten. In der Kaserne selbst sei das noch einfach gewesen, erläuterte Aschmoneit, „da war noch alles unter den Fittichen des Panzeraufklärungsbataillons 12“. Das hatte auch im Juli 1992 nach Auflösung des Panzergrenadierbataillons 103 die Gegenstände der Kameraden in Obhut übernommen.
Dann kam aber die politische Entscheidung, den Bundeswehrstandort Ebern zum 30. September 2004 aufzulösen und damit stellte sich die Frage, wohin mit den Sammlungen. Denn da habe es auch noch die Traditionsräume des Traditionsregiments der „Aufklärer“, des Reiterregiments10, gegeben. Diese Gegenstände befinden sich jetzt in Torgau. Und die Erinnerungsstücke an den Traditionsverband der „Grenadiere“, das Infanterieregiment 95, sind nach Coburg abgewandert. Geblieben sind also die Sammlungen der beiden Eberner Bataillone.
Wenn es nicht geschehen sollte, dass die wertvollsten Sachen in das Armeemuseum nach Ingolstadt oder in andere Museen verteilt worden und das, was eben nicht so wertvoll ist, entweder von Militariasammlern mitgenommen oder in Plastiksäcken im Wertstoffhof gelandet wären, mussten Räume gefunden werden. Aber wo?
Die Lösung sollte – und wurde schließlich – gemeinsam mit 1. Bürgermeister Robert Herrmann gefunden. Das habe zwar eine gewisse Zeit gedauert, aber jetzt mit den Räumen in Eyrichshof
seien beiden Kameradschaften durchaus zufrieden, betonten Joachim Aschmoneit und Harry Bohl. Aufzubringen wäre ein geringer Mietbetrag und natürlich die Kosten für Heizung, Strom usw.
Einige Monate und viele Stunden an freiwilliger Arbeit kamen nach der Entscheidung auf die Mitglieder der Kameradschaften zu. Da mussten beispielsweise die Fenster innen gestrichen und die Räume insgesamt „auf Vordermann“ gebracht und dann die Gegenstände von der Kaserne nach Eyrichshof transportiert und schließlich so aufgestellt und angebracht werden, dass für die Besucher attraktive Traditionsräume entstehen.
Von dem gelungenen Ergebnis kann sich die Bevölkerung nun am kommenden Samstag selbst ein Bild machen. Die Vertreter beider Kameradschaften erhoffen sich viele Besucher. Unter ihnen werden sich auch Bürgermeister Robert Herrmann und der letzte Kommandeur des Panzeraufklärungsbataillons 12, Oberstleutnant Stefan Klos befinden. Und mit diesem Tag ist dann das gemeinsam verfolgte Ziel der Angehörigen der ehemaligen beiden Bataillone erreicht, nämlich die Erinnerung an Ebern als Garnisonsstadt aufrecht zu erhalten.
„Das mussten wir machen, denn in ein paar Jahren kann sich bestimmt kaum einer mehr daran erinnern, dass es in Ebern mal eine Kaserne mit zwei Bataillonen gab“, sind sich Joachim Aschmoneit und Harry Bohl sicher.
Die Traditionsräume in Eyrichshof können natürlich nicht ständig geöffnet sein, für einen „Museumswärter“ fehlt das Geld. Interessenten können sich aber jederzeit an die Kameradschaften wenden und die öffnen dann gerne die „Gedenkräume“ an die Bundeswehrzeit in der Stadt Ebern.