10. (preußisches) Reiter-Regiment

Seit 1972 hält die Tradition des Regiments das Panzeraufklärungsbataillon 12 in Ebern. Inzwischen hat es die Erinnerungsstücke des Kavallerieregiments 10, seiner Stammtruppenteile und Feldformationen, der Heimatstadt Torgau übergeben, die sie in ihrem Museum betreut und das Denkmal des Husarenregiments 12 (Stammtruppe der 2./Kavallerieregiment 10) bewahrt. Der „Kameradschaft Panzeraufklärungsbataillon 12“, worin die Kameradschaft Reiter 10 aufgegangen ist, gehören letzte ehemalige Torgauer Soldaten an. So erfahren sie, was Soldaten von heute in Garnison und Einsatz bewegt, die ihrerseits eine Vorstellung vom bindenden Kriegserlebnis der 10er Reiter gewinnen können.

Geschichte des 10. Reiter – Regiments

 

Inmitten der für Deutschland und seine Menschen so schweren Zeit wurde am 1. April 1920 das 10. (Preuß.) Reiter-Regiment mit Stab, 3., 4. und 5. Schwadron in Züllichau – und mit 1. und 2. Schwadron in Torgau (Elbe) aufgestellt. Oberwachtmeister Nikolaus berichtet über den ersten Tag folgendes: „Am 5. März 1920 wurde die Schwadron in Halberstadt unter starker Anteilnahme der Bevölkerung auf dem Bahnhof verladen. Sie traf am Morgen des 6. März in Torgau ein. Mit 12 Trompetern an der Spitze, in feldgrauer Uniform, mit gelben Kragen und Ärmelaufschlägen, mit Kürassierhelm, Lanze und Pallasch marschierten wir anschließend durch die Stadt – und wurden hier vom größten Teil der Bevölkerung herzlich begrüßt. Der Bürgermeister der Stadt Torgau begrüßte uns am Markt – und hieß uns als Dragoner herzlich willkommen. Ich unterbrach ihn und berichtigte durch Zuruf: ‚Wir sind Seydlitzkürassiere!‘, worauf sich der Bürgermeister sofort entschuldigte. Nach einem Ritt durch die Stadt rückten wir in die Husaren-Kaserne ein. Noch heute erinnern sich die Torgauer Bürger an unseren Einzug in die Garnisonstadt Torgau vor 36 Jahren.“ (1956)

In den ersten Jahren des Bestehens des Reiter-Regiments 10 wurden die Kasernen wieder in einen mustergültigen Friedenszustand gebracht. Pferde, Waffen, aber auch die Ausrüstung kamen nach und nach in einen tadellosen Verwendungszustand.

Noch flackerten in Deutschland immer wieder Unruhen und Aufstände auf, zu deren Niederwerfung besonders die in Torgau stehenden Schwadronen eingesetzt werden mussten. Darüber berichtet Oberwachtmeister Nikolaus mit folgenden kurzen Sätzen: „Bereits kurz nach Ausbruch des Kapp-Putsches musste das Halb-Regiment Torgau ausrücken, um Aufstände im Raum Delitzsch und Bitterfeld niederzuwerfen. Dabei galt es vor allem, der eingesetzten technischen Nothilfe Schutz zu gewähren, da die Wasser- und Stromversorgung unterbrochen war. Den Hauptunruheherd stellte die Grube Leopold bei Bitterfeld dar, welcher im April 1920 beseitigt wurde. 1921 brach der mitteldeutsche Aufstand los, dessen Zentrum im Raum Halle – Ammendorf – Leunawerke lag. Dabei waren auch Teile der Torgauer Schwadronen zum Schutze der Elbbrücken eingesetzt. Bei einem kommunistischen Überfall auf die Wache der Eisenbahnbrücken Torgau gab es zwei Verwundete.“

So verliefen die ersten Jahre seit dem Bestehen des 10. (Preuß.) Reiter-Regiments in wechselnder Unruhe.

Soweit die Zeit dazu verfügbar war, wurde noch nach der alten Ordnung exerziert. Höhepunkte des feldmäßigen Reiterlebens waren die Manöver, welche zumeist im Frühherbst stattfanden. Unvergessen vor allem jene von 1927 in Thüringen, welche mit einer großen Parade der Reiterregimenter vor dem Reichspräsidenten, Generalfeldmarschall v. Hindenburg, bei Römhild endeten, wie auch das in Schlesien 1932, welches im Rahmen des Heeres-Kavallerie-Korps I sich bis an die Warthe ausdehnte.

Die Manöver verlangten Reiter und Pferd große Leistungen ab. Zum Schlafen blieb wegen der nötigen Pferdepflege und Stallwachen wenig Zeit. Das hielt aber keinen 10er Reiter davon ab, sofern er wachfrei war, an den Manöverbällen teilzunehmen, die in den Quartierdörfern stattfanden. Dazu spielten die den Schwadronen kommandierten Trompeter auf – und Jung und Alt schwang bis zum Zapfenstreich unermüdlich das Tanzbein.

Ab 1934 traten Neuerungen unterschiedlicher Bedeutung ein: Vereidigung auf Hitler, Fortfall der landsmannschaftlichen Bezeichnung „Preuß.“ im Regimentsnamen, Umbenennung der Ekadrons in Schwadronen, die Abgabe der 5. Schwadron an die Kraftfahrabteilung Leipzig, auch Einzelabgaben an fremde Truppenteile und an die Luftwaffe, Verlegung der drei Reiter-Schwadronen mit Stab und Trompeterkorps von Züllichau nach Torgau zur Vereinigung mit dem um eine neue 5. (Reiter-) Schwadron ergänzten Regiment. Im Frühjahr 1935 wurde die allgemeine Wehrpflicht wieder eingeführt, zunächst für ein Jahr.

Ab Herbst 1936, bei jetzt zweijähriger Wehrpflicht, wurde das Reiter-Regiment zum Kavallerieregiment 10 verstärkt auf 11 Schwadronen, gegliedert in die I. Abteilung mit 1. bis 5. Reiter-Schwadron in der alten Zieten-Kaserne; die II. Abteilung in der nebenan neu erbauten Seydlitz-Kaserne mit der 6. bis 8. Radfahr-Schwadron, 9. (Panzerabwehr-) Schwadron (diese in der Batteriekaserne, neun 3,7-cm-Paks) und die 10. (Schwere) Schwadron (ein Panzerspähzug, drei Kavalleriegeschützzüge 7,5 cm). Die 11. (Nachrichten-) Schwadron direkt unter dem Regiment. Jetzt war es keine taktische Einheit mehr, sondern Ausbildungskörper für Divisions-Aufklärungs-Abteilungen (AA), um im Mobilmachungsfall sofort drei Abteilungen 1. Welle, also fast ausschließlich aus dem aktiven Dienst (AA 4, 14, 24), und eine der 2. Welle, teils mit Reservisten (AA 187), aufstellen zu können.

Die dem Kavallerieregiment 10 verliehene Standarte und die neuen Kesselpaukenbehänge gaben bei festlichen Anlässen ein farbenprächtiges Bild, wenn in Paradeuniform – Paspelierungen und Kragenspiegel abgesetzt in goldgelber Waffefarbe der Kavallerie – ausgerückt wurde.

Als Besonderheit hatte das Regiment silberne Kesselpauken, ursprünglich aus dem Besitz der Kgl. Preuß. Leib-Kürassiere, dann des Kürassier-Regiments von Seydlitz (Magdeburgisches) Nr. 7. Im Juni 1920 verfügte der Chef der Heeresleitung ihre Übergabe an das Reiter-Regiment 10 und übertrug dann dessen 1. Eskadron die Tradition der Seydlitz-Kürassiere.

Im Frühjahr 1938 vom Einmarsch in Österreich noch nicht unmittelbar berührt, gab das Kavallerieregiment 10 im Sommer zwei Leutnante an das in Stockerau bei Wien aus ehemaligen österreichischen Dragoner-Regimentern neu aufgestellte Kavallerieregiment 11 ab, während dann einige aktive Offiziere von dort nach Torgau kamen.

Im Herbst wurde die Aufklärungsabteilung 24 (3. Reiter-, 8. Radfahr-Schwadron, Teile 9., 10. und 11. Schwadron des Kavallerieregiments 10), beim Einmarsch in das Sudetenland und im Frühjahr1939 bei dem in die Rest-Tschechoslowakei bis Prag eingesetzt. Ab Sommer nahmen Einziehungen von Reservisten und Zivilfahrzeugen zu. Die Mobilmachung gegen Polen zeichnete sich ab, AA 4, 14 und 24 rückten nach Osten aus, AA 187 nach Westen. Ende August 1939 gab es kein Kavallerieregiment 10 mehr. In Torgau verblieb die Kavallerie-Ersatzabteilung 10 (darin auch die zurückgelassene Reiter-Schwadron).

Beispielhaft für die aus dem Kavallerieregiment 10 hervorgegangenen 11 Aufklärungsabteilungen steht hier der Kriegsverlauf bei der AA 24 in der 24. Infanterie-Division, bis Mai 1945 im Kern ein Truppenteil des Kavallerieregiments 10, wie keine andere Aufklärungsabteilung.

Im September 1939 Einsatz im Polenfeldzug au Schlesien über Warta und Bzura auf die Weichsel zwischen Warschau und Modlin. Mitte Oktober Verlegung von Polen in den Westen.

Ab 10. Mai 1940 Angriff auf Frankreich durch den Norden Luxemburgs und Süden Belgiens über Sedan nach Süden westlich der Maas. Kämpfe am Mont Dieu, südwestlich Verdun und bei Colombey bis zur Kapitulation im Raum Nancy eingeschlossener Gegner. Im Herbst Übernahme eines holländischen Küstenabschnittes an der Scheldemündung.

Im April 1941 Verlegung nach Osten. Ab 22. Juni Angriff aus Bereitstellung im Raum nordwestlich Lemberg auf, vor allem bei Uman und Tscherkassy, zähen Widerstand leistende Sowjets durch die Ukraine bis zur Krim. Dort war die AA 24 beteiligt am Kampf um das Anfang Juli 1942 eroberte Sewastopol. Ab Anfang September Einsatz mit der 24. Infanteriedvision bei der Heeresgruppe Nord im Raum südlich Ladogasee, dann am Wolchow. Starke Verluste auch bei der AA 24; die Reiter-Schwadron wurde aufgelöst. Von Februar 1943 bis Januar 1944, inzwischen in Füsilier-Bataillon 24 umbenannt, vor Leningrad gegen offensiv gewordene Sowjets; bis Anfang Oktober Rückzugskämpfe mit der 24. Infanteriedivision über Pleskau – Ostrow längs der Düna Richtung Riga. Bis Mai 1945 war die Abteilung in Kurlandschlachten verwickelt, Reste gingen bei der Kapitulation in russische Gefangenschaft mit ihrem Kommandeur Rittmeister Bruno Richter, Träger des Eichenlaub zum Ritterkreuz, seit 1934 beim Reiter-Regiment/Kavallerieregiment 10, seit 1939 bei der AA 24, schließlich aus der Gefangenschaft 1949 heimgekehrt.

Kommandeur bei Kriegsbeginn war Major Herrmann von Oppeln-Bronikowski, im 1. Weltkrieg Leutnant im Ulanen-Regiment 10 (Stammtruppe der 4./Reiter-Regiment 10), seit 1920 beim Regiment in Züllichau und Torgau, bei den Olympischen Spielen 1936 Rittmeister in der Dressurequipe mit Goldmedaille; 1945 Generalmajor und Kommandeur der 20. Panzerdivision, einer der 158 deutschen Soldaten mit Eichenlaub und Schwertern zum Ritterkreuz.

Ungezählt die Verluste der Feldformationen des Kavallerieregiments 10 im 2. Weltkrieg. Beim Einsatzschwerpunkt in vorderer Linie der Ostfront wird ihre Gefallenenzahl über dem Durchschnitt der Gesamtwehrmacht gelegen haben. Aus jetzt wissenschaftlich geltenden Feststellungen ergibt das mehr als ein Drittel der nach Torgau Eingezogenen.

Für den großen Zusammenhalt der „Kameradschaft Reiter 10“ sprechen 35 Traditionstreffen bis zum Jahr 2000, darunter vor allem die nach 1989 in Torgau stattgefundenen Treffen.

 

Die Kommandeure des 10. (Preuß) Reiter-Regiments und des nachmaligen Kavallerieregiments 10, 1920 – 1939: (Quelle: Pulkowski: Geschichte des 10. (Preuß) Reiter-Regiments)
1920/1921 Oberst Graf von Bredow
1921/1924 Oberst Schoen
1924/1927 Oberst Janssen
1927/1931 Oberst Köstring
1931/1934 Oberst von Dufay
1934/1937 Oberst Freiherr von Wrede (ab 1.4.1936 Kdr. Kav.-Regt. 10)
1937/1939 Oberst Krüger

 

Auszeichnungen ehemaliger Angehöriger des RR 10 im Zweiten Weltkrieg:
(Ohne Anspruch auf Vollzähligkeit)

 

Schwerter zum Eichenlaub des Ritterkreuzes des Eisernen Kreuzes
Oberst Mummert 23.10.44 107.
Generalmajor von Oppeln-Bronikowski 18.04.45 142.

 

Eichenlaub des Ritterkreuzes des Eisernen Kreuzes
Generalleutnant Krüger 24.01.44 373.
Oberst Mummert 20.03.44 429.
Oberst von Oppeln-Bronikowski 28.07.44 536.
Generalmajor Marcks 21.09.44 593.
Oberst Klasing 19.02.45 754.
Major Ruhl 27.03.45 789.
Oberst von Usedom 28.03.45 809.
Rittmeister Bruno Richter 08.04.45 825.

 

Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes
Oberst Iwand 15.05.40
Oberleutnant Nietsche 13.06.41
Gerneralmajor Krüger 15.07.41
Oberst Freiherr von Waldenfels 11.10.41
Oberst von Frantzius 04.11.41
Oberstleutnant von Bose 04.12.41
Hauptmann Kleinschmidt 14.12.41
Major von Usedom 31.12.41
Oberstleutnant Marcks 02.02.42
Generalleutnant Freiherr von Wrede 22.02.42
Oberfeldwebel Kunze 22.02.42
Major Mummert 17.08.42
Oberfeldwebel Lutze 02.10.42
Oberstleutnant Büsing 21.11.42
Oberst von Oppeln-Bronikowski 01.01.43
Oberst Glaesemer 12.02.43
Rittmeister Recktenwald 24.05.43
Hauptmann Rehm 16.11.43
Oberstleutnant Maempel 05.12.43
Oberst Geißler 07.01.44
Oberleutnant Rauch 15.03.44
Oberst Neumeister 04.06.44
Oberstleutnant Klasing 12.08.44
Hauptsturmführer Gräbner 23.08.44
Major Ruhl 21.09.44
Rittmeister Bruno Richter 26.11.44
Rittmeister Pröhl 09.12.44

 

Deutsches Kreuz in Gold

Rittmeister Geißler
Gefreiter Dußl
Leutnant Liebener
Major Mummert
Major Bacherer
Oberstleutnant Glaesemer
Rittmeister Oster
Rittmeister Schmidt
Oberfeldwebel Kaufmann
Oberleutnant Gräbener
Rittmeister Krienke
Major Jenisch
Oberstleutnant von Oppeln-Bronikowski
Rittmeister von Uechtritz und Steinkirch
Leutnant Rauch
Rittmeister Schrödter
Rittmeister von Stein
Rittmeister Freiherr von Werthern
Leutnant Mangels
Oberwachtmeister Krause
Leutnant Mayer
Rittmeister von Wolff
Major Klasing
Major Freiherr von Schlotheim
Oberwachtmeister Küffner
Oberwachtmeister Zapf

Im Ehrenblatt des Heeres wurden genannt:

Major Mummert
Oberstleutnant Büsing
Oberstleutnant Wohlfahrt
Hauptmann Roth
Rittmeister Recktenwald
Hauptmann Rehm
Oberwachtmeister Zschintsch