Geschichte

 

Geschichte des 17. Reiter – Regiments

 

Das Kavallerie- und Reiterregiment 17 hat seine ursprünglichen Wurzeln im 1. Ulanenregiment, dessen Regimentschef Kaiser Wilhelm II war. Dieser Brauch war eine besondere Art der Ehrenbezeugung für hochgestellte Persönlichkeiten, die somit ehrenhalber Chef eines Regiments wurden. Darauf lässt sich auch die Bezeichnung „Kaiserulanen“ zurückführen. Nachdem der 1. Weltkrieg verloren war, wurden die zwölf ehemaligen Königlich-Bayerischen Kavallerieregimenter aufgelöst.

Jedoch schon am 11. Mai 1920 wurde in Bamberg das Reiter-Regiment 17, später Kavallerieregiment 17, als einziges bayerisches Kavallerieregiment der neuen Reichswehr aufgestellt. Das Reiter-Regiment 17 übernahm somit die Tradition aller ehemaligen Kavallerieregimenter der Königlich-Bayerischen Armee.

Neben Bamberg (1. und 5. Schwadron) waren die weiteren Garnisonen des Regiments Straubing (4. und 6. Schwadron) und Ansbach (2. und 3. Schwadron). Somit war das Regiment in den drei ältesten und schönsten Garnisonen der ehemaligen bayerischen Kavallerie stationiert. Um den landsmannschaftlichen Charakter der einzelnen Truppenteile zu betonen, erließ der Reichspräsident am 19.05.1922 eine Verfügung über die landsmannschaftlichen Benennungen der Truppenteile des Reichsheeres. Gemäß dieser Verfügung erhielt das Regiment die Bezeichnung 17. (Bayer.) Reiter-Regiment. Erster Kommandeur des Reiter-Regiments 17 wurde der damalige Major Zürn, ein sehr beliebter Kommandeur, der bereits im Kriege drei Jahre lang die Kaiserulanen geführt hatte. Ihm fiel es somit zu, das auf drei Standorte verteilte Reiter-Regiment zu einem einheitlichen Verband zusammenzuschweißen.

Um die Tradition der ehemaligen Königlich Bayerische Kavallerieregimenter, aus denen das Reiter-Regiment 17 organisatorisch hervorgegangen war, zu pflegen, übernahm jede Schwadron die Tradition zweier alter Regimenter.

Dies waren im einzelnen:

1. Schwadron: 5. Chevaulegers-Regiment Erzherzog Friedrich v. Österrreich
2. Schwadron: 2. Ulanen-Regiment König und das 1. Chevaulegers-Regiment Kaiser Nikolaus v. Russland
3. Schwadron: 2. Chevaulegers-Regiment Taxis und das 8. Chevaulegers-Regiment
4. Schwadron: 1. Schweres Reiter-Regiment Prinz Carl v. Bayern und das 2. Schwere Reiter-Regiment Erzherzog Franz Ferdinand v. Österreich-Este
5. Schwadron: 1. Ulanen-Regiment Kaiser Wilhelm, König von Preußen und das 4. Chevaulegers-Regiment
6. Schwadron: 3. Chevaulegers-Regiment Herzog Karl Theodor und das 7. Chevaulegers-Regiment Prinz Alphons

1921wurde das Regimentstrompeterkorps gegründet, das unter der Führung des Obermusikmeisters Heinlein, einem bekannten Kavallerietrompeter des Ersten Weltkrieges stand. Aushängeschild eines jeden Kavallerieregimentes war sein Trompeterkorps und insbesondere dessen Kesselpauker.

Insgesamt gab es 18 Kavallerieregimenter in der Reichswehr, gegliedert in drei Kavalleriedivisionen, die in ihrer Stärke 16,4% des Gesamtumfanges der Reichswehr ausmachten. Bemerkenswert, wenn man an die Überlegenheit des Materials im letzten Kriege zurückdenkt; verständlich, wenn man bedenkt, dass der Reichswehr keine bzw. nur wenige schwere Waffen genehmigt waren. So standen den Reiterregimentern in den Anfängen keine leichten Maschinengewehre zur Verfügung – sie mussten von der Infanterie ausgeliehen werden. So erhielt jede Schwadron sechs leichte Maschinengewehre ausgeliehen, was zwei Maschinengewehre pro Zug bedeutete. Zudem gab es in der ersten Schwadroneinen „Holzkanonenzug“. Dieser Zug bestand aus ca. 30-40 Soldaten, unter Führung eines Offiziers und hatte den Auftrag, bei Übungen den Einsatz von schweren Waffen zu simulieren, da diese dem Regiment durch die Alliierten versagt blieben. Erst Ende der zwanziger Jahre kam es zur Einführung der ersten schweren Waffen im Regiment. Ansonsten bestand die Bewaffnung des Reiters in den normalen Schwadronen aus dem Karabiner und dem Säbel. Bis 1927 wurde zudem die Lanze mitgeführt, welche heute auf dem Barettemblem der Panzeraufklärungstruppe wiederzufinden ist.

Insgesamt umfasste das eigentliche Feldregiment neben dem Regiments-Stab vier Feldschwadrone. Jede Feldschwadron war in drei Züge (30-35 Mann) mit je einem Zugtrupp und drei Gruppen in drei Abmärschen (vier Mann) gegliedert. Dem Regiment unmittelbar unterstellt war der schwere Maschinengewehrzug und der Nachrichtenzug. Für beide war jedoch kein eigener Etat vorhanden. Das Personal musste also den Feldschwadronen entnommen werden. Die 5. Schwadron war eine Ausbildungsschwadron, während die 6. Schwadron dem Regiment nur im Frieden unterstand, da sie im Kriegsfall für die 7. Division als Divisionskavallerie vorgesehen war.

Neben der normalen Ausbildung hatte der Reitsport einen großen Stellenwert im Regiment, vor allem im Offizierskorps. Hierbei gab es einen ständigen Wettbewerb zwischen den Reiterregimentern der Reichswehr um die höchsten Plätze bei den regelmäßig stattfindenden Turnieren.

So errang das Regiment bereits in seinem Gründungsjahr den ersten Platz bei einem Vielseitigkeitswettbewerb in Berlin und insgesamt war das Regiment auf dem Gebiet des Reitsports führend in der Reichswehr.

Der große Aufschwung der Aufklärer ging einher mit der Wiederbewaffnung des deutschen Reiches. Adolf Hitler wurde vom Reichstag die Macht übertragen, was dieser nutzte, die Reichswehr zur Wehrmacht umzubauen und in beispielloser Manier in Vierjahresplänen hochzurüsten.

So erhielt das Regiment ab 1936 die Bezeichnung Kavallerieregiment. Ferner wurde es um die 6. (Radfahr-), 9. (Stabs-) und die 10. (Nachrichten-) Schwadron verstärkt, unter Umgliederung der 5./- zur MG-Schwadron. Im Herbst 1937 kam noch eine 7. (Radfahr-) Schwadron hinzu, während die 5./- wieder eine Reiterschwadron wurde. Die 9./- dagegen wurde in eine Schwere Schwadron mit einem Kavallerie-Panzerabwehrzug, einem Kavallerie-Panzerspähzug und einem Kavallerie-Geschützzug umgegliedert. 1937 erhielt das Regiment in München auf dem Königsplatz seine Standarte.

Wieder sollte Deutschland einen Weltkrieg entfachen, und so war es auch am 1. September 1939 soweit, dass die hochgerüstete Wehrmacht Polen überfallen konnte. Mit Kriegsbeginn wurden auch die Aufklärungstruppen umgegliedert. Keinem Kavallerieregiment war es beschieden – wie in den Kriegen zuvor – in geschlossenen Verbänden eingesetzt zu werden.

Den Aufklärungsabteilungen der Infanteriedivisionen zugeteilt, zogen sie in den Weltkrieg. Das Kavallerieregiment 17 aus Bamberg hatte mit Kriegsbeginn die Infanteriedivision 7, 10 und 27 sowie die 1. Gebirgsdivision mit je einer Aufklärungsabteilung zu versehen. Hinzu kamen Abstellungen an die Aufklärungsabteilung 231, die im Polenfeldzug in dritter Welle angriff. Jede Abteilung nannte sich „Divisions-Aufklärungsabteilung“ (AA) und trug auch die Nummer ihrer Division, mit Ausnahme der Teile, die zu den Gebirgsjägern abgestellt worden waren. Diese nannten sich AA 54 und kämpften im Rahmen der 14. Armee. Die Verluste der auf diese Aufklärungsabteilungen aufgeteilten Schwadronen war sehr hoch. Insgesamt sind im 1989 erschienenen Ehrenbuch des Regiments 3000 gefallene ehemalige 17er Reiter verzeichnet.

Schon kurz nach Kriegsbeginn hatten Angehörige des Regiments beschlossen, ein Mitteilungsblatt herauszubringen, das als Bindeglied für das nunmehr weit auseinandergerissene Offizier- und Unteroffizierkorps des Regiments fungieren sollte. Dieses Mitteilungsblatt trug den Namen „Bamberger Reiter“ und trug am Kopf eine Abbildung des berühmten Standbildes im Dom. Die redaktionelle Erstellung oblag der Kavallerie-Ersatz-Abteilung in der Lagarde-Kaserne in Bamberg. So ist während des Krieges eine ungeheure Menge an Dokumenten zusammengekommen, was vom vorzüglichen Korpsgeist der ehemaligen 17er Reiter zeugt.

In der Zeit des Vormarsches waren die Nachteile der Reiterei offensichtlich – die Kavallerie konnte nur folgen statt vorauszustürmen. Die Stunde der Kavallerie kam jedoch schleichend mit den länger und länger werdenden Fronten und Nachschubwegen, dem immer extremer werdenden Klima und dem Verlust der Initiative bis hin zum stetigen Rückzug. Ohne die Abhängigkeit von Kraftstoff war die Kavallerie wieder unersetzlich für das Überwachen großer Räume und als Reserve. Es wurden wieder neue Reiter-Regimenter aufgestellt, die 1944 sogar zum I. Kavallerie-Korps zusammengefasst wurden.

Jetzt war auch der Zeitpunkt gekommen, zu dem sich erste Widerstände gegenüber der politisch-militärischen Obrigkeit zeigten. Hier zeigt sich die Besonderheit des Reiter-Regiment 17, die als Aufklärertruppe aus der Wehrmacht, innerhalb der Aufklärer von den anderen Regimentern hervorhebt. So trug unter anderem die christliche Einstellung der Offiziere des Kavallerieregiments 17 dazu bei, dass ein Korpsgeist vorherrschte, der dem nationalsozialistischen System kritisch gegenüberstand. Im Laufe des Krieges verstärkte sich kritische Haltung zur Ablehnung, schließlich zu Widerstand. Der Widerstand gegen Unrecht und Diktatur der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft, deren Mittäter nun alle geworden waren, hatte seinen massivsten Ausbruch im Attentat auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944. Kein anderer Verband hat für das Attentat mit so vielen Menschenleben bezahlen müssen wie das Kavallerieregiment 17. Am Bekanntesten ist von ihnen der, 1926 als Fahnenjunker in das Reiter-Regiment eingetretene, spätere Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg zu nennen

Die gute Frontkameradschaft aus den harten Kämpfen des Zweiten Weltkriegs blieb auch darüber hinaus erhalten. So trafen sich ehemalige 17er Reiter am Hubertustag 1951 erstmals nach dem Kriege wieder. Am 8. März 1953 wurde von ehemaligen Regimentsangehörigen die Vereinigung ehemaliger 17er Reiter gegründet, woraufhin es regelmäßig zu Wiedersehensfeiern der ehemaligen Regimentskameraden kam.

Die Tradition des Reiterregiment 17 und seiner Traditionsvereinigung übernahm am 4. Juli 1964 das Panzeraufklärungsbataillon 4 aus Roding. Nach der Auflösung des Panzeraufklärungsbataillons 4 übernahm zunächst das Jägerbataillon 4 die Pflege der Tradition. Mit der Übernahme der Tradition des Reiterregiment 17 durch das Panzeraufklärungsbataillon 12 am 15. November 1997 in den Räumen des historischen Museums Bamberg war die Traditionspflege wieder in der Hand von Aufklärern.

Die Übernahme wurde durch die Übergabe einer Urkunde vom damaligen Bataillonskommandeur, Oberstleutnant Berg, an Erich Adam, dem Vorsitzenden der Vereinigung 17er Reiter, und Franz Graf du Moulin, dem Vorsitzenden der kameradschaftlichen Vereinigung der Offiziere des ehemaligen Reiter- und Kavallerieregiments Nr. 17, vollzogen.

In der Folge entwickelte sich eine vorbildliche Zusammenarbeit zwischen dem Bataillon und der Vereinigung ehemaliger 17er Reiter. Um so mehr bedauern die ehemaligen 17er Reiter, dass das Panzeraufklärungsbataillon 12, als ihr letzter Traditionsträger aufgelöst wird.

Für das ehemalige Reiter-Regiment wird eine Stiftung ins Leben gerufen, um die Tradition auf diesem Wege zu erhalten. Träger dieser Stiftung wird das bayerische Armeemuseum in Ingolstadt sein. Präsident der Stiftung wird Generalmajor a.D. Berhold Schenk Graf von Stauffenberg.

Die Kommandeure des 17. (Bayer.) Reiter-Regiments und des nachmaligen Kavallerieregiments 17, 1920 – 1939:
(Quelle: Graf von Kageneck: Die Bamberger Reiter)

 

1920/1927 Oberst Zürn
1927/1929 Oberst Freiherr von Hirschberg
1929/1932 Oberst Koch
1932/1934 Oberst Freiherr von Perfall
1934/1939 Oberst Fremerey
Die Kommandeure des Königlich Bayerischen 1. Ulanen-Regiments 1813-1919:
1813/1822 Oberst Freiherr von Seckendorff
1863/1866 Oberst Korb
1866/1873 Oberstleutnant Graf von Ysenburg
1873/1875 Oberstleutnant Faber
1875/1883 Oberst Negrioli
1883/1886 Oberst von Kraft
1886/1889 Oberst Trombetta
1889/1892 Oberstleutnant von Poschinger
1892/1894 Oberstleutnant Horadam
1894/1899 Oberst von Le Suire
1899/1904 Oberst Bouhler
1904/1907 Oberst Freiherr von Gebsattel
1907/1910 Oberstleutnant von Staudt
1910/1911 Major Braun
1911/1915 Oberst Freiherr von Crailsheim
1915/1918 Major Zürn
1918/1919 Major Freiherr von Bibra

 

Auszeichnungen ehemaliger Angehöriger des RR 17 im Zweiten Weltkrieg:
(Ohne Anspruch auf Vollzähligkeit)

 

Schwerter zum Eichenlaub des Ritterkreuzes des Eisernen Kreuzes
Oberstleutnant Prinz zu Sayn-Wittgenstein 23.01.44 44.
Oberst Dr. Kupfer 11.04.44 62.

 

Eichenlaub des Ritterkreuzes des Eisernen Kreuzes
Major Dr. Kupfer 08.01.43 173.
Hauptmann Prinz zu Sayn-Wittgenstein 31.08.43 290.
Generalleutnant Greiner 03.09.44 572.
Generalleutnant Rodt 28.04.45 847.

 

Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes
General Kock-Erpach 24.06.40
Oberstleutnant Rodt 26.06.40
Oberst Greiner 22.09.41
Generalleutnant Freiherr von Waldenfels 11.10.41
Generalleutnant Luz 15.11.41
Hauptmann Dr. Kupfer 23.11.41
Oberstleutnant Graf von Bose 04.12.41
Major Sachenbacher 14.12.41
Hauptmann von Hößlin 23.07.42
Generalleutnant Fremerey 28.07.42
Hauptmann Prinz zu Sayn-Wittgenstein 02.10.42
Oberstleutnant Sauerbruch 04.01.43
Generalleutnant Freiherr von Thüngen 06.04.43
Oberstleutnant Jürgen Schmidt 01.05.43
Leutnant d.R. Zecherle 10.05.43
Major Pfeuffer 07.08.43
Oberwachtmeister Konrad 08.08.43
Major Böhmer 10.09.43
Oberfeldwebel Pollner 03.11.44
Oberleutnant Walz 14.04.45
Oberst Graf 30.04.45

 

Deutsches Kreuz in Gold
Wachtmeister Busch 18.10.41
Rittmeister Freiherr von Rotenhan 21.10.41
Generalleutnant Fremerey 19.12.41
Oberst Graf 26.12.41
Rittmeister von Geldern 02.01.42
Oberst Freiherr von Lerchenfeld 06.01.42
Rittmeister Freiherr von Könitz 06.01.42
Oberst Freiherr von Gebsattel 19.01.42
Major Wilhelm Schmidt 16.02.42
Major Böhmer 21.02.42
Major Helmut Schmidt 07.03.42
Oberst Rübsam 20.03.42
Hauptmann Winter 14.04.42
Major Fink 24.05.42
Rittmeister Graf von Marogna-Redwitz 26.08.42
Hauptfeldwebel Walz 06.11.42
Major Bieling 16.11.42
Oberwachtmeister Volkert 14.04.43
Stabswachtmeister Wagner 24.04.43
Oberst Schenk Graf von Stauffenberg 08.05.43
Oberleutnant Weitbauer 10.05.43
Oberleutnant Wendler 10.07.43
Oberfeldwebel Rainer 24.08.43
Oberstleutnant Boxberger 21.11.43
Leutnant Schulze 01.12.43
Feldwebel Triltsch 01.12.43
Hauptmann Bütterich 24.04.44
Feldwebel Deiler 08.06.44
Hauptmann Naser 02.07.44
Wachtmeister Bleier 12.10.44

 

Im Ehrenblatt des Heeres wurden genannt
Feldwebel Deiler 15.02.45

 

Nahkampfspange in Gold
Fahnenjunker-Oberwachtmeister Bleier 12.12.44